QUIET WORDS

Betrachtungen des ultimativ Weiblichen

Männer und Frauen sind nicht gleich.

Und das ist auch sehr gut so!

Heute mal ein paar Worte zum Genderwahnsinn in Leben und Sprache . Sie wissen schon, es gibt „m“ für männlich, „w“ für weiblich und nun auch „d“ für divers. Es ist mir ziemlich egal, ob wir nun noch ein drittes, viertes, fünftes oder was weiß ich wie vieltes Geschlecht haben. Im Gegenteil. Je mehr, desto besser! Das ist doch immer so: Das Angebot steigert die Nachfrage. Und wahrscheinlich freuen sich auch Firmen wie Dixi Klo oder Toi Toi über die schöne neue Welt des Geschlechterrelativismus. Nun können sie noch ein paar Plastikzellen mehr für’s Notdürftige aufstellen.

Genderwahnsinn© dpa

LGBTQ – für „lesbian, gay, bisexual, transgender, queer“ steht dieser Buchstabensalat. Die „queer“-Fans sind davon übrigens die radikalsten. Sie lehnen grundsätzlich alle Geschlechterschubladen ab und plädieren für eine ständige Erweiterung der geschlechtlichen Definitionspalette. Falls Sie meinen, bei drei Geschlechtern sei Schluß, dann bedenken Sie, dass Facebook in den USA seinen treuen Usern bereits über sechzig Alternativen zur sexuellen Selbstidentifikation anbietet. Darunter „gender questioning“ (das Geschlecht hinterfragend“), „two-spirit“ („zweigeistig“) oder „neutrois“ („Neutrum“). Gott, oder auch Göttin, ich bin wahrscheinlich viergeistig und zwei Öltanks, was leben wir in hysterischen Zeiten: Jede*r definiert also sein–ihr Geschlecht fürderhin selbst. Besonders in der Sprache. Da schüttelt der Mensch mit Hausverstand (Billa) den Kopf und Goethe (Dichter) seufzt aus dem Grab. Ich bin schon sehr gespannt auf die gendergerechte Neuauflage von „Die Leiden des*der jungen Werther–in“.

Vor allem, dem recht banalen Lebens- und Geschlechtsmodell „männlich heterosexuell“ scheint man heute so selten zu begegnen wie einem Tyrannosaurus Rex im Wienerwald . Zur Erinnerung, ein politisch korrekter Kindergarten in Deutschland, jenem Land, in dem man immer ganz besonders korrekt ist, empfahl, dass sich Buben im Fasching nicht als Indianer verkleiden sollten. Besser wäre es, sie gingen mal als Meerjungmännchen. Die lieben Kleinen könnte man auch für den bösen Machismo eines Superman sensibilisieren, wenn sie sich doch bitte einen Glitzerfummel überwerfen würden. Solch ein Quatsch nennt sich „kultursensible und vorurteilsbewusste Erziehung.“ Denn die weissen Männer sind früher mal gaaanz böse mit den Indianern umgegangen. Dass nun aber fünfjährige Buben die Erbschuld an der Ausrottung der American Natives im 17. und 18. Jahrhundert ausbaden müssen, zeigt den Totalverlust von Verhältnismässigkeit selbsternannter Weltverbesserer und Gutmenschen. Ja, ein Kreuz ist’s mit den guten Menschen! Es war natürlich (!) ein österreichischer Dichter, der wunderbare Nestroy, der schrieb: „Es gibt sehr wenig böse Menschen und doch geschieht so viel Unheil in der Welt. Der größte Teil dieses Unheils kommt auf Rechnung der vielen, vielen guten Menschen, die weiter nichts als gute Menschen sind .“

Der gute Mensch will alles nivellieren, alles gleichmachen und einander angleichen. Ich finde, es wäre ziemlich langweilig auf dieser Welt, wenn es keine Unterschiede mehr gäbe. Natürlich muss auch ich hier eine längst zur Binse gewordene Selbstverständlichkeit erklären und am liebsten würde ich in Stein meißeln: Männer und Frauen müssen für ihre Arbeit gleich bezahlt werden! Dafür braucht’s keinen Equal Pay Day. Das sagt einem jener Hausverstand, der im deutschen Nachbarland als „gesunder Menschenverstand“ bezeichnet wird, dort inzwischen aber sehr kränkelt. Kann man nicht einfach achtsam und höflich und freundlich, ganz einfach menschlich miteinander umgehen?

Liebe beauty.at-Leserin, ich schreibe hier voller Emphase: Bei mir ist die Geschlechterwelt noch in Ordnung! Für mich gilt, mein Körper gehört mir, aber ich bin gerne bereit, ihn zu teilen. Allerdings, die binäre Frau-Mann-Welt ist nach rund 2,5-Millionen Jahren ins Wanken geraten. Deshalb wird einem Mann heute das Leben schon schwer gemacht: Als ich neulich einer Dame in ihren Mantel helfen wollte, fauchte sie mich an, ich hätte dies gefälligst zu unterlassen; sie wünsche nicht, dass man ihr in den Mantel hülfe. Nun, ich habe Glück gehabt, dass sie mich nicht einer versuchten Vergewaltigung bezichtigte. Ich habe Glück gehabt, dass ich mich keines Pfefferspray-Angriffs erwehren musste und dass sie mich nicht unter einem #MeToo in den Weiten des Internets an den Pranger stellte. Sollten wir uns aber zufällig an Deck eines sinkenden Schiffes wiedersehen, so werde ich der Dame beim Besteigen des Rettungsboots nicht den Vortritt lassen. Die Zeiten sind vorbei.

#pascalmorche

Pascal Morché

QUIET WORDS ist die gar nicht so stille Betrachtung des ultimativ Weiblichen, eine politisch unkorrekte Kolumne, deren Verfasser die Frauen kennt, sie liebend gerne beobachtet und seine Gedanken hier exklusiv niederschreibt.

Der bekannte Journalist Pascal Morché gilt als pointierter Autor, seine Kolumnen und Kommentare in führenden Tageszeitungen und Magazinen wie FAZ, SPIEGEL, die ZEIT und FOCUS zu Themen der Gesellschaft, Mode, Kunst und Kultur sind legendär. Seine "Lesungen der besonderen Art" haben Kultstatus. Seine Bücher "365 Tage Fashion" gelten als Bibel für Fashion Victims. 
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