QUIET WORDS

Alltags-Betrachtungen von Pascal Morché

Alles vergeigt!

Wieder mal Blue Monday. Der schlechteste Schlechte- Laune-Tag des neuen Jahres. Ich hab mitgemacht!

Blue Monday© Alex MacCarthy_Unsplash

Freuen Sie sich, liebe Leserin, dass es diese Kolumne heute überhaupt gibt! Ein schrecklicher Tag: Montag, der 17. Januar. Der dritte Montag des Jahres ist nämlich immer „Blue Monday“. Nach Meinung des Psychologen Cliff Arnall ist das der schlimmste, der mieseste Tag des Jahres. Schlechte Laune pur. Hochamt und Fixpunkt im Jahreslauf für alle Depressiven, aber auch für alle, die mal so richtig schlecht gelaunt sind.

Für mich war der ganze Tag im Eimer. Um positiv und glücklich zu sein, halfen diesmal auch bewehrte Mittel nicht. Also weder eine Flasche Rotwein noch eine Tafel Milka Noisette oder eine Extraportion Citalopram. Nichts half mir, nichts! Der ganze Tag war vergeigt, ein einziges „Adagio for Strings“ von Samuel Barber (falls unbekannt googeln). Oder anders gesagt: ich fühlte mich, wie Charisa Sigala nach ihrem Kampf mit Taylor Starling (nicht googeln). Zumindest fühlte sich meine zarte Seele so. Alles schien mir sinnlos. Sogar das Schreiben dieser Kolumne. Und soweit muss es erstmal kommen, dass ich es sinnlos finde, Sie liebe Leserin, zum Lachen, Schmunzeln oder sogar zum Nachdenken zu bringen. Aber es war eben auch „Blue Monday“.

Der britische Psychologe Cliff Arnall hat das Ganze im Jahre 2005 sogar mit einer Formel belegt: [W + (D-d)] x Tq ÷ [M x Na]. W steht dabei für schlechtes Wetter, addiert wird die Differenz aus D (über die Feiertage angehäufte Schulden) und d (noch nicht eingegangenes Januargehalt). T markiert die Zeit, die seit Weihnachten vergangen ist, Q steht für alle guten Vorsätze, die gescheitert sind. Geteilt wird durch M (Motivationslevel) x Na (Bedürfnis, wieder aktiv sein zu müssen). Egal, ob ich das Ganze nun auch noch mit der Coronainzidenz oder mit der Anzahl russischer Panzer an der Grenze zur Ukraine multiplizierte: Der Tag war im Eimer.                                                              

Herr Arnall hat diese Formel übrigens für ein Tourismus-Unternehmen veröffentlicht, das im grauen Monat Januar Reisen in die Sonne verkaufen wollte. Natürlich ist die wirkliche Formel einfacher: W + PR x (pr)E = G. Wissenschaftler trifft auf PR,  multipliziert sein Ego und scheffelt Geld.

Wenn die Kohle aufgebraucht ist, erinnert sich der Wissenschaftler ganz bald wieder seiner ehrbaren, hehren und unantastbaren Wissenschaft! So hat sich natürlich auch der Psychologe Arnall inzwischen von seiner deprimierenden Formel für den 17. Januar distanziert. Eigentlich wollte er die Menschen ja nur  ermutigen, dass sie den Tag für Veränderungen nutzen. Dass sie positiv und optimistisch in das Jahr blicken. Ja, eigentlich...

Nun bin ich ganzjährig kein Optimist. Warum auch? Heiner Müller sagte „Optimismus ist nur ein Mangel an Informationen“ und ich beziehe meine Informationen von ORF-ARD-ZDF-FAZ-SZ-Spiegel-ZEIT. Also bitte! Und auch das muss gesagt und geschrieben werden: Herrn Arnalls Formel für den 17. Januar ist ein Schlag ins Gesicht aller wirklich von Depressionen geplagten Menschen. Seine Formel ist die pure Verharmlosung einer schweren Krankheit. Schämen sollte er sich, dafür auch noch einen Tag im Jahreslauf okkupiert zu haben. Aber es gibt noch einige andere frag- oder merkwürdige Jahrestage im Angebot: am 27. Januar ist „Tag der Alphabetisierung“ und der 28.1. wird dann als „Tag des Blaubeerpfannkuchens“ gefeiert; den 19. Juni initiierten die Vereinten Nationen als „Welt-Sichelzellanämie-Tag“. Nachdem alljährlich am 13.10. der „Anti-BH-Tag“ gefeiert wird, gilt der 15.10 wenig später als „Tag der Frau in ländlichen Gebieten“. Ihr Kolumnist weiß noch nicht so recht, ob er den „Tag der streunenden Katze“ (16.Oktober) oder den 8. November („Tag der Putzfrau“) feiern sollte. Also, wer sich gerade jetzt zu Jahresbeginn in diesen Schmarrn vertiefen möchte und unbedingt wissen will, was es heute (und an allen anderen Tagen) zu feiern gibt, der klicke hier .

#pascalmorche

ÜBER DEN AUTOR

QUIET WORDS ist die gar nicht so stille Betrachtung des ultimativ Weiblichen, eine politisch unkorrekte Kolumne, deren Verfasser die Frauen kennt, sie liebend gerne beobachtet und seine Gedanken hier exklusiv niederschreibt.

Der bekannte Journalist Pascal Morché gilt als pointierter Autor, seine Kolumnen und Kommentare in führenden Tageszeitungen und Magazinen wie FAZ, SPIEGEL, die ZEIT und FOCUS zu Themen der Gesellschaft, Mode, Kunst und Kultur sind legendär. Seine "Lesungen der besonderen Art" haben Kultstatus. Seine Bücher "365 Tage Fashion" gelten als Bibel für Fashion Victims. 
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