Sperma als Jungbrunnen

Forscher-Duo aus Graz auf der Suche nach dem heiligen Gral

Der Traum von ewiger Jugend – diesem uralten Wunsch der Menschheit ist ein Forscher-Duo vom Institut für Molekulare Biowissenschaften an der Karl-Franzens Universität Graz ein großes Stück näher gekommen.

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Dr. Tobias Eisenberg und Univ.-Prof. Dr. Frank Madeo haben entdeckt, dass Spermidin, eine Substanz die in höchsten Konzentrationen in der männlichen Samenflüssigkeit vorkommt, das Leben von verschiedensten Zellen und Tieren verlängert.

Die spektakulären Ergebnisse des Projekts, bei dem Madeo gemeinsam mit Eisenberg 29 ForscherInnen an elf Universitäten und aus sechs Ländern koordiniert hat, wurden am 4. Oktober 2009 im hochrangigen internationalen Wissenschaftsjournal „Nature Cell Biology“ veröffentlicht.

„Menschliche Immunzellen, Fliegen, Würmer und Hefe, die in der Forschung ein beliebtes Alterungsmodell darstellt, werden durch Spermidinzugabe verjüngt und leben länger“, bestätigen Madeo und Eisenberg. Die durch freie Radikale hervorgerufenen Schäden an Proteinen, die ein besonders wichtiger Alterungsmarker sind, konnten bei Mäusen nachweislich reduziert werden.

„Es könnte sein, dass wir den heiligen Gral der Altersforschung gefunden haben“, meint Eisenberg, Erstautor der Studie. Der natürliche Stoff Spermidin findet sich in allen Körperzellen, seine Konzentration nimmt aber während des Alterns kontinuierlich ab. Ebenso verringert sich die Fähigkeit des Körpers, geschädigte Proteine oder defekte Mitochondrien – die Kraftwerke der Zellen – zu entsorgen. Der Körper entledigt sich dieses „zellulären Mülls“ mittels des Prozesses Autophagie.

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Die beiden Grazer Biowissenschafter fanden nun heraus, dass von außen hinzugefügtes Spermidin genau diese Autophagie ankurbelt. „Die Maschinerie läuft nach Spermidinzugabe auf Hochtouren“, erklären die Forscher, „und dieser Prozess, da ist sich die Forschungsgemeinschaft einig, ist der wichtigste Faktor für Langlebigkeit.“

Diese Ergebnisse könnten auch für die klinische Forschung höchst relevant werden, zum Beispiel bei Alterserkrankungen wie Alzheimer und Parkinson. Diese entstehen eben durch Ablagerung von verklumpten Proteinen, also Zellenabfall in Nervenzellen. Hand in Hand gehen damit die Erkenntnisse, dass die Ankurbelung der Autophagie in verschiedenen Tiermodellen vor Erkrankungen des Nervensystems schützt.

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Spermidin auch in Obst und Getreide

Das Forscherduo verweist auch darauf, dass die Substanz nicht nur in Samenflüssigkeit vorkommt. Grapefruits, Weizenkeime und Sojabohnen enthalten ebenfalls relativ hohe Konzentrationen.
„Nebenbei könnten diese Ergebnisse zur Aufklärung einer der spannendsten Fragen der Altersforschung beitragen“, erwägt Madeo. Denn: Warum kann ein 40-jähriger Mann ein Kind zeugen, welches ohne die 40 Jahre dauernde Schädigung des Erbgutes auf die Welt kommt – also gleichsam die Uhr in den Zellen auf Null zurückgestellt bekommen hat? „Das scheint trivial, ist aber doch bei genauerer Betrachtung höchst erstaunlich. Alle unsere Zellen altern, nur die Spermien nicht. Der Grund könnte zumindest teilweise in der hohen Konzentration von Spermidin in der Samenflüssigkeit liegen“, erhofft sich Madeo weitere Aufschlüsse der Forschungen.


Quelle: Karl Franzens Universität Graz