Amalgam, Kunststoff und Co.

Welche Materialien kommen in den Mund?

Treten Zahndefekte auf, so muss man sich für ein Füllmaterial entscheiden. Dabei bietet die moderne Medizin zahlreiche Werkstoffe und unterschiedliche Techniken an, die unterschiedliche Vor- und Nachteile aufweisen.

„Arzt und Patient sollten gemeinsam entscheiden, welches Material den individuellen Anforderungen entspricht“, erklärt dazu Dr. Roland Althoff, MSc, Spezialist für Endodontologie und ästhetisch-rekonstruktive Zahnmedizin. Es gilt in jedem Fall, Größe und Lage des Defekts zu berücksichtigen. Trotzdem bieten sich oftmals mehrere Werkstoffe an, die sich auch in ihrem Preis unterscheiden.

Zahnfüllungen: das richtige Materialist entscheidend© (c) bobike - sxc

Klassiker bei kleinen Defekten: formbare Füllmaterialien

Zu den formbaren Werkstoffen zählen Amalgam, Kunststoff und provisorische Füllmaterialien wie Zement. Sie sind ideal bei kleinen und mittelgroßen Defekten und werden in der Regel direkt im Anschluss an die Kariesentfernung eingesetzt.

Amalgam gehört zu den bekanntesten Materialien. Hierbei handelt es sich um eine Legierung aus Metallen wie Silber, Kupfer, Zink oder Zinn und Quecksilber. Vorteile liegen in der langen Haltbarkeit, den geringen Kosten sowie einer extremen Bruch- und Druckfestigkeit. Aufgrund der dunklen Farbe eignet sich Amalgam jedoch nicht für den Frontzahnbereich. Zudem findet seit geraumer Zeit eine Debatte um das darin enthaltene Quecksilber statt. "Da sich allergische Reaktionen verstärken können, verzichten besonders Allergiker und Menschen mit Autoimmunerkrankungen besser auf Füllungen mit Amalgam“, erläutert Dr. Althoff.

Auch Kunststoffe zählen zu den formbaren Füllmaterialien. Durch die Möglichkeit der ungefähren Anpassung an die Zahnfarbe bieten sie einen akzeptablen ästhetischen Standard, weisen allerdings keine lange Haltbarkeit auf. Patienten müssen mit Ausgaben von 50 bis 100 Euro rechnen.

Provisorische Füllungen mit Zement oder Kunststoff-Zement-Gemischen gehören ebenfalls in diese Gruppe. Aufgrund ihrer geringen Haltbarkeit dienen sie jedoch nur als Übergangsfüllung.

Inlays, Onlays und plastische Keramiken: passgenau und haltbar

Alternativ bieten sich laborgefertigte, vom Zahntechniker modellierte Einlage-Füllungen, sogenannte Inlays oder Onlays, und plastische Keramiken an. Bei letzteren modelliert der Zahnarzt in feinen Schichten einen speziell gemischten Werkstoff aus Keramik- und Kunststoffanteilen in den Zahn ein und härtet ihn anschließend aus. Eine solche extrem haltbare Wiederherstellung lässt sich optisch nicht vom natürlichen Zahn unterscheiden. Die Investition hierfür liegt zwischen 150 und 300 €. Befällt Karies große Teile des Zahns, empfiehlt sich eine aus Gold oder Keramik bestehende Einlagefüllung.

Während die Zahnsubstanz ein Inlay komplett umgibt, gestalten sich Onlays deutlich größer, indem mindestens ein Teil über den Zahnrand hinausragt.

Zunächst präpariert der Zahnarzt dafür den Zahn und nimmt einen Abdruck. Im Anschluss fertigt das Zahnlabor die einzusetzende Füllung. Vorteile liegen in Passgenauigkeit, Ästhetik und langer Haltbarkeit. „Jedoch fallen dadurch höhere Kosten an und bis das endgültige Füllmaterial vorliegt, vergeht ungefähr eine Woche mit einer provisorischen Versorgung des behandelten Zahns“, ergänzt Dr. Althoff.

Verwendet der Zahnarzt Gold, handelt es sich immer um Legierungen, da der reine Rohstoff eine weiche Konsistenz aufweist. Gold zeichnet sich durch gute Verträglichkeit, Haltbarkeit und ein angenehmes Kaugefühl aus. Aufgrund seiner auffälligen Farbe eignet es sich jedoch nicht für den Frontzahnbereich, zudem fallen Kosten von 450 bis 700 Euro an.

Alternativ können In- oder Onlays aus gebrannter Keramik bestehen. Als Füllmaterial lässt sich Keramik individuell an Zahnfarbe und -form anpassen, hält durch eine spezielle Verbundtechnik extrem gut, ist gut verträglich und unterscheidet sich kaum vom natürlichen Zahn. Aufgrund des hohen Arbeitsaufwands kosten Füllungen aus Keramik ähnlich viel wie die aus Gold.

Information: Zahnarztpraxis

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