5000 Jahre Tee-Geschichte

Seit einem chinesischen Kaiser vor 5000 Jahren das wundersame Teekraut in die Trinkschale geweht wurde, hat Tee Politik gemacht und Geschichte geschrieben. Unser Leben, die Seefahrt und auch Wirtschaft und Handel wurden durch das Teetrinken entscheidend mitgeprägt, beginnend mit besagter Legende: 2737 v. Chr. hielt sich Kaiser Shen Nung in seinem Garten auf, in seiner Hand eine Trinkschale heißen Wassers. Ein plötzlicher Windstoß wehte Blätter eines wild wachsenden Teestrauchs in seine Schale. Der Kaiser bemerkte sofort den angenehmen Duft, er kostete, und fühlte sich angenehm erfrischt. Soweit die Legende über die Entdeckung des Teestrauchs und die „Zubereitung“ des ersten Tees.

Die Anfänge der Teeproduktion

Grüner Tee© sxc_Kira69_

Die erste schriftliche Erwähnung des Tees datiert aus dem dritten Jahrhundert v. Chr. Ein angesehener chinesischer Chirurg empfahl damals Tee als wirksames Mittel zur Steigerung der Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit.

Tee wurde schließlich bis zum dritten Jahrhundert n. Chr. als Heilmittel oder Tonikum aus Blättern wilder Teesträucher gewonnen. Um dem steigenden Bedarf gerecht zu werden, pflanzten Bauern Teesträucher an. Schriftliche Belege berichten von den ersten Teesträuchern aus landwirtschaftlichem Anbau im hügeligen Szechwan Gebiet in China 350 n. Chr.. Anbau, Ernte, Trocknung und Verarbeitung wurden in Folge zu einem ergiebigen und rentablen landwirtschaftlichen System ausgebaut. Im vierten und fünften Jahrhundert stieg die Popularität des Tees in China rasch an und neue Plantagen entstanden entlang des legendären Yangtze Flusses.

Mehr noch: Tee wurde Königen als Geschenk dargeboten und diente als wertvolles Tauschgut im Handel mit anderen Ländern. Im Wert den kostbaren Gewürzen sehr nahe, die schließlich teurer als Gold waren.

 

Die Geschichte

Spezialität Grüntee

Im Laufe der Zeit entwickelten die Chinesen den grünen Tee. Im Unterschied zum Schwarztee werden beim Grüntee die Blätter nicht fermentiert (Gären und Oxidieren der Teeblätter in einer feuchten Umgebung), deshalb schmeckt er leicht und löscht den Durst.

Spezialität Grüntee

Weitere Entwicklungen waren der rote Tee (Oolong), der teilweise getrocknet wird und der schwarze Tee, der vollständig fermentiert ist und deshalb mehr Farbe und Schärfe aufweist. Der schwarze Tee ist zudem besser haltbar, was in Anbetracht der zeitaufwändigen langen Schiffspassagen, später vor allem nach Europa, von großer Bedeutung war.

Goldenes Zeitalter & Siegeszug nach Japan

Zurzeit der Tang Dynastie (618-906 n. Chr.) wurde Tee nicht mehr ausschließlich zu medizinischen Zwecken getrunken, sondern auch als Genussmittel konsumiert – das „goldene Zeitalter“ des Tees begann. Die Zubereitung und das Servieren des Getränks wurden zu einer kunstvollen Zeremonie, während Anbau und Verarbeitung der Pflanze streng überwacht wurden und strikten Regeln unterlagen. Sehr strikten Regeln! Den Pflückern war es etwa verboten, Knoblauch, Zwiebeln oder scharfe Gewürze zu verzehren. Damit wollte man vermeiden, dass Gerüche an den Fingerspitzen die delikaten Blätter verunreinigen könnten.

Im 9. Jahrhundert erreichte der Tee Japan. Ein weit gereister buddhistischer Mönch importierte die Teesamen, und während die aufwändigen Tee-Rituale des alten Chinas allmählich ausstarben, entwickelten die Japaner parallel zum buddhistischen Glauben eine kunstvolle Zeremonie namens Cha-no-yu. Sie wird auch heute noch zelebriert und ist ein Kernstück der japanischen Kultur.

 

Die Entwicklung des China-Porzellans

Die ersten chinesischen Teeblätter wurden in offenen Gefäßen aufgebrüht. Man erkannte jedoch während der legendären Ming Dynastie (1368-1644 n. Chr.), dass das Ziehen der Teeblätter in siedendem Wasser die besten Geschmacksresultate brachte. Man verwendete daher Gefäße mit Klappdeckel, um die Wärme darin zu stauen. Was ursprünglich zum Aufbrühen von Wein verwendet wurde, erwies sich auch für das Teekochen als geeignet. Aus diesem Prototyp eines Teekessels entwickelte sich nach und nach das edle China Porzellan in seiner heutigen vielfältigen Formgebung.

Endlich Tee in Europa!

Die portugiesische und holländische Handelsflotte brachten das Teekraut im 16. Jahrhundert erstmals nach Europa. Frankreich, Deutschland, Portugal, Holland und Italien importierten damals zwar Tee, dennoch setzte sich in diesen Ländern Ende des 17. Jahrhunderts Kaffee als beliebtestes Getränk durch.

Tee© sxc_nkzs

In England und Russland zeichnete sich hingegen ein wachsender Markt für das Heißgetränk aus China ab. Tee gelangte vorwiegend auf dem Seeweg nach Europa. Russland wurde hingegen von Kamelkarawanen mit bis zu 300 Tieren über den Landweg versorgt.

 

Tee als Mitgift

Das Schicksal des Tees in Großbritannien nahm 1662 eine Wendung, als König Charles II die portugiesische Prinzessin Catharina von Braganza heiratete. Englands neue Königin war eine leidenschaftliche Teetrinkerin, lange bevor sie in ihrer neuen Heimat ankam. Als Teil ihrer Mitgift brachte sie eine Truhe mit wertvollem chinesischen Tee mit, den sie ihren adeligen Freunden bei Hofe servierte.

Bald schon verbreitete sich die Kunde vom neuen Getränk und mehr Menschen wollten es kosten, doch bei hohen Preisen blieb der Teegenuss den Reichen vorbehalten. Ursache für die hohen Preise waren immense Importsteuern, welche zur Sanierung der arg strapazierten englischen Staatskasse erhoben wurden. Die amerikanischen Kolonien störten sich besonders an der Steuerpolitik, da sie keinen Einfluss auf die Gesetzgebung hatten. Schmuggelei und der Handelsboykott gegenüber der britischen East India Company waren die Folge davon.

Historische Teekannen© sxc_sailorjohn

Die berühmteste Bostoner Part y

Der Konflikt eskalierte mit der „Boston Tea Party“ von 1773. Dabei drangen Stadtbürger in den Hafen von Boston ein und warfen drei Ladungen Tee der englischen East India Company über Bord. Dieser Gewaltakt ging als Startschuss zur amerikanischen Unabhängigkeit in die Geschichte ein. Ab Ende des 18. Jahrhunderts wurde Tee zum beliebtesten Getränk in England und löste das Ale (britisches Bier) als Frühstücksgetränk ab. Der markante Anstieg des Teekonsums gründete im Abbau verschiedener Handelshemmnisse. Zum einen wurde damals mit der Verabschiedung des Commutation Act von 1784 die Steuer auf dem Tee drastisch gesenkt (von 119 % auf 12.5%). Zum andern öffnete sich der Markt mit dem Ende des China-Handelsmonopols der East India Company und der Aufhebung des Navigation Acts.

 

100 Tage auf hoher See!

Letzterer erlaubte nur britischen Schiffen die Einfuhr von Tee in britische Häfen. Die Marktöffnung verhalf den Amerikanern dank ihrer schnellen Handelsschiffe rasch zum Erfolg. Mit schmalem Rumpf und riesigen Segeln benötigten die so genannten „Tea Clipper“ für die Seereise von China nach England gerade noch 100 Tage anstatt einem Jahr. Es wurden auch Rennen ausgetragen und Wetten auf die „Tea Clipper“ abgeschlossen. Eine Ära, die in den 1860er-Jahren mit der Einführung der Dampfschiffe und der Eröffnung des Suezkanals wieder endete. Der Reiseweg wurde dadurch um 7000 Kilometer verkürzt. Bis 1900 stieg der jährliche Teekonsum in Großbritannien auf über 100.000 Tonnen an. Das Teetrinken wurde mit dem Nachmittagstee „Afternoon tea“ – einer leichten Mahlzeit zwischen Mittag- und Abendessen – zu einem bis heute wichtigen Ritual im britischen Alltag.

 

Teehandel & Teegenuss heute

In England gehört der Teegenuss zum Alltag wie nirgendwo sonst in Europa. Mit 3.2 Kilogramm pro Kopf und Jahr liegt England in der europäischen Rangliste des Teeverbrauchs jedoch nur auf Platz sieben. Die Iren trinken sich auf Platz Eins. Den weltweit höchsten Teeverbrauch pro Einwohner hat Paraguay mit einem zirka pro-Kopf-Verbrauch von 11.7 Kilogramm (Wert aus dem Jahr 1998). Das entspricht rund 15 Tassen Tee täglich. Um den weltweiten Bedarf an Tee zu decken, werden jährlich rund 3 Millionen Tonnen Tee geerntet. Ab 1952 bis 1998 waren die regelmäßigen Auktionen der Londoner Tea Exchange der wichtigste Umschlagplatz für Tee in Europa. Heute wird Tee an Börsen in den Produktionsländern gehandelt. Darunter finden sich Städte wie Kalkutta, Colombo, Mombasa.

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